5


Weiche Formen als schützende Geste: Sophie’s Dach, Berlin


Sophie’s Dach erhebt sich über einem vier- bzw. fünfgeschossigen Altbau in der Spandauer Vorstadt. Zwei großzügige Maisonettewohnungen wurden auf einem als Einzeldenkmal eingetragenen Gebäude von 1894, dem ältesten Haus der Straße, errichtet. Das Originaldach, im Krieg weitest-
gehend zerstört, wurde lange Zeit nur durch ein Notdach ersetzt. Der gesamte Umbau fand in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt statt.

Die Dachform ist einer Hand nachempfunden, die sich schützend über das bestehende Gebäude legt. Während die nördliche, zur Sophienstraße weisende Seite geschlossen ist, ähnlich einem Handrücken, fächert sich das Dach, Fingern entsprechend, in Richtung Süden auf. Die Fassaden sind hier raumhoch verglast, Terrassen vorgelagert. Die durch die Auffächerung entstehenden seitlichen Fenster geben den Blick auf die Sophienstraße und auf die Kirche frei. Das Dach besteht aus einer Kombination aus Polyurethan in den horizontalen Flächen und einem Wärmedämm-
verbundsystem in den Dachschrägen. Diese Konstruktionsweise wurde erstmalig in Deutschland realisiert.

Mit der Konzeption des Daches als schützende Hand wurde der Altbaustruktur eine weiche, zeitgenössische Formensprache gegenüber gesetzt. In beiden Maisonettes nimmt die obere Etage jeweils die öffentlicheren Funktionen auf: Die Wohnungen werden durch Vor- und Rücksprünge in der Dachfläche und durch unterschiedliche Fußbodenniveaus zoniert. Auf trennende Wände wird verzichtet, Küchen- und Wohnbereiche fließen ineinander. Im vierten Geschoss sind die Kinder-, Arbeits-, Schlaf- und Badezimmer angeordnet.



Sanierung und Dachaufstockung eines Wohn- und Geschäftshauses

Adresse: Berlin

Bauherr: privat

Team: Stine Kolbert, Hille Bekic

Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Unterberg

Projekt: 2008-2011
Fertigstellung: Frühjahr 2011
BGF: 650 qm