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Vom Blockkraftwerk zum Umspannwerk



1886 begann der Bau des Buchhändlerhofes als zweites Berliner Blockkraftwerk. Die verwinkelte Parzelle in der friedrichstädtischen Erweiterung lag damals noch auf sumpfigem Gelände, was eine Pfahlgründung erforderte. Der Zugang zum Kraftwerk erfolgte von der Wilhelmstraße über den Hof der Vereinigung der Berliner Buchhändler, von dem die Anlage ihren Namen erhält.
1924-1928 wurde das bestehende Blockkraftwerk nach Plänen des Architekten Hans-Heinrich Müller zum hochmodernen Abspannwerk umgebaut und in den Folgejahren mehrfach verändert.
Der nördliche Teil der Anlage wurde in Teilen erhalten, in die Höhe erweitert und die Fassade wurde neu aufgeteilt. Der südliche Bauteil wurde abgerissen und neu gebaut.

Verfall und Wiederentdeckung



In den Bombardements des zweiten Weltkriegs wurde die Gebäudesubstanz abgesehen von der Stahlkonstruktion stark zerstört, so dass das Abspannwerk nach dem Krieg nicht mehr genutzt und im Zustand der Ruine belassen wurde.
Erst nach dem Fall der Mauer wurde das Abspannwerk von der Techno-Szene wieder entdeckt, und das E-Werk wurde bald darauf Anfang der 90er Jahre zu einem der bekanntesten Techno-Clubs Europas. Die großen Hallen funktionierten dabei wie hermetisch abgeriegelte Bunker unter künstlichen Licht und künstlicher Atmosphäre, deren Fremdheit für die Besucher einen klaren Kontrast zum Alltag der Stadt darstellte. Später wurden die großen Hallen für einige spektakuläre Theaterinszenierungen genutzt.
Gegen Ende 1999 wurde die Ruine endgültig für den Publikumsverkehr geschlossen und zwei Jahre später von der Bewag an SPM - Real Estate verkauft. Der Baubeginn von Restaurierung und Umbaus des ehemaligen E-Werk zum neuen Firmensitz des Unternehmens erfolgte drei Jahre später, im Juni 2004.